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Rezitation

Dunkel an der Tankenstelle

Dunkel an der Tankenstelle
will ich nach dem Tanken auf die Schnelle
für den Liebsten noch ein Brötchen kaufen.
Doch der Tankenwart, er spricht:
„Brötchen gibt’s hier nicht.“

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Halt durch,
mein
Schönster,
das schenke
ich dir

Seltsam, denk ich, wie verändert sich die Welt!
Früher gab es an der Tankenstelle alles,
was der Bauch begehrt, zu kaufen,
auch noch tief bis in die Nacht, ach, was sag ich,
Tag und Nacht war kein Problem,
das Begehrte zu erstehn.
Was mag uns wohl als Nächstes blühn?
Mein Liebster, der schaut finster drein,
es sollte doch ein Käsebrötchen sein.

Dunkel an der zweiten Tankenstelle,
tank ich nicht,
will auf die Schnelle für den Liebsten noch ein Milcheis kaufen.
Doch der Tankenwart, er spricht:
„Milcheis, hahaha, gibt’s hier nicht.“
Schrecklich, denk ich, das ist unsre Welt?

An der Tankenstelle gab es immer alle Sorten Eis zu kaufen,
niemals musste man zur eisig Diele laufen.
Was mag uns bloß als Nächstes blühn?
Mein Liebster, der schaut finster drein,
es sollte doch Erdbeersahne sein.

Dunkel an der dritten Tankenstelle
Stolpre ängstlich ich hinein
Schau in ein scheußlich grinsendes Gesicht
„Würstchen“ stammle ich heiser
„Gibt’s hier nicht!“

Mein Liebster stürzt hungrig lechzend aus dem Wagen.
An der Tankentür grollt laut sein Magen.
„Was?“ schreit er völlig außer sich,
„Würstchen gibt’s hier nicht?“
Dann fällt er um.
Mühsam schlepp ich ihn aus dem Ödland heraus,
fahre durch kalte, unnahbare Straßen.
Kein Kiosk, kein Imbiss, kein Mensch, kein Licht,
ein Leben ohne Tanke funktioniert einfach nicht.
Neben mir wimmert der Liebste: “Kein Würstchen“,
nur Klage in seinem Gesicht.
Schwach und enttäuscht vom Leben
verkündet er stöhnend das Ende der Welt:
Kein Brötchen, kein Milcheis, kein Würstchen,
nichts, was ihn hier noch hält.

Da flüstre ich ihm leis’ ins Ohr:
„Liebster, im Kühlschrank steht noch ein letztes Bier.
Halt durch, mein Schönster, das schenke ich dir!“
Da strafft sich sein Körper, da hebt sich sein Blick:
„Jetzt seh ich’s, du Elfe, du Engel, du lenkst mein Geschick.
Oh, Liebste, ich brauch keine Tanke, nur dich für mein Glück!

Text
Birgit Beutler
Musik
Wolfgang Hocke

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